White-Label Google Ads — was Agenturen vorher klären sollten
Wer "White-Label Google Ads Agentur" sucht, findet vor allem Anbieter-Websites, die sich selbst bewerben. Von 18 in einer Marktanalyse geprüften Anbieterseiten (englisch- und deutschsprachig) nennen nur 5 eine echte, eigene Preisangabe. 5 weitere behaupten pauschal "40–60 % Marge" oder "das 2- bis 3-fache" als Aufschlag – ohne nachvollziehbare Berechnung. Exit-Bedingungen deckt keine einzige Seite vollständig ab, und keine zitiert Googles eigene Dokumentation zum Kontoeigentum. Dieser Ratgeber schließt genau diese Lücken.
Wie funktioniert die Bepreisung im Markt?
Öffentlich genannte Eigenpreise einzelner Anbieter zeigen große Spannen. Die deutschsprachige Agentur galineo nennt gestaffelte Monatspreise: „Starter" ab 990 €/Monat für bis zu 3 Konten, „Professional" ab 1.990 €/Monat für bis zu 10 Konten (galineo). Adkontakt staffelt nach Kundenzahl: 349 €/Monat pro Kunde im Starter-Modell (1–4 Kunden), ab 5 Kunden sinkt der Preis auf 249 €/Monat pro Kunde, jeweils zzgl. Setup-Gebühr (Adkontakt). Webwings nennt für Google Ads einen zeitlich gestaffelten Preis: „Monate 1-3: ab 1.800€ / Monat", danach „Monat 4+: ab 1.100€ / Monat", plus 20 % Rabatt für Agenturpartner auf die regulären Preise (Webwings). Das sind jeweils die veröffentlichten Eigenpreise dieser drei Anbieter – keine Marktdurchschnitte.
Parallel kursiert im Markt eine andere Zahl: eine pauschale Gewinnmarge von 40–60 Prozent oder ein Aufschlag vom 2- bis 3-Fachen des Einkaufspreises. Eine gezielte Prüfung von vier Artikeln, die diese Zahlen verbreiten, ergab: Keiner der vier belegt sie mit einer nachvollziehbaren Methodik. Ghostful behauptet ohne Quellenangabe, die meisten Agenturen zielten auf „40–60% gross margin" (Ghostful). Clicks Geek bezeichnet „2x to 3x the white label cost" als „Industry standard" – ebenfalls ohne Beleg (Clicks Geek). SEO Vendor benennt zwar eine Quelle, aber ohne Link oder Prüfbarkeit: „Most agencies mark up white label PPC packages 40–60%, with some reaching up to 70% as reported in SEranking surveys" (SEO Vendor). ALM Corp nennt dieselbe Spanne von „40% to 60% profit margins" und zusätzlich eine Aufteilung „between 15% and 20% of ad spend managed" beim Endkunden gegen „10% to 12%" an den White-Label-Partner – auch hier ohne Quellenangabe (ALM Corp). Diese Zahlen sind als kursierende Branchenaussage einzuordnen, nicht als belegte Tatsache – wer sie einer Kalkulation zugrunde legt, rechnet mit einer unbelegten Annahme.
Wem gehört das Werbekonto?
Google beantwortet diese Frage direkt, unabhängig davon, was ein Anbieter behauptet. „Ein Kundenkonto kann nur einen Inhaber haben" (Google Ads-Hilfe: Inhaberschaft von Kundenkonten). Legt ein Verwaltungskonto ein neues Konto an, wird es laut derselben Google-Ads-Hilfeseite automatisch dessen Inhaber. Entscheidend für White-Label-Setups: „Wenn ein bestehendes Verwaltungskonto mit einem bestehenden Konto verknüpft wird, liegt die Inhaberschaft für das neu verknüpfte Kundenkonto standardmäßig nicht beim Verwaltungskonto" (Google Ads-Hilfe: Inhaberschaft von Kundenkonten). Verknüpfung und Eigentümerschaft sind zwei getrennte Mechanismen – ein Punkt, den keine der 18 analysierten Anbieterseiten mit der Google-Quelle belegt, obwohl fast alle in eigenen Worten behaupten, der Kunde behalte die Kontrolle.
Die Inhaberschaft ist zudem übertragbar: Ein Kontoinhaber mit Administratorzugriff kann sie an ein anderes Verwaltungskonto übertragen oder abschalten, und das Kundenkonto behält jederzeit die eigenen Daten und kann die Inhaberschaft per Entkoppeln selbst entziehen (Google Ads-Hilfe: Inhaberschaft von Kundenkonten). Google unterscheidet außerdem ausdrücklich zwischen einem verknüpften Verwaltungskonto und einem Kontoinhaber mit Administratorzugriff: „Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem verknüpften Verwaltungskonto und einem Kontoinhaber mit Administratorzugriff zu verstehen" (Google Ads-Hilfe: Zugriffsebenen für Nutzer). Für die konkrete Zugriffsvergabe kennt Google für Einzelkonten fünf Ebenen – Nur-E-Mail, Abrechnung, Schreibgeschützt, Standard, Administrator (Google Ads-Hilfe: Zugriffsebenen in Google Ads-Konten) – und für Verwaltungskonten ebenfalls fünf Ebenen, darunter Administratorzugriff mit „Hierarchieverwaltung" (Google Ads-Hilfe: Zugriffsebenen für Nutzer). Wer als Agentur nur Lesezugriff erhält, kann laut dieser Definition selbst nichts bearbeiten.
Die Verwaltungskonto-Beschränkung
Ein häufig kolportierter Satz behauptet sinngemäß, Google erlaube es Partnern grundsätzlich nicht, anderen Partnern Zugriff zu geben. Diese Formulierung stammt tatsächlich vom Anbieter DashClicks, nicht von Google: „No, unfortunately, Google does not allow partners to give access to other partners" (DashClicks). Googles eigener Wortlaut ist präziser und beschreibt eine strukturelle Tiefenbegrenzung, keine pauschale Zugriffssperre: „Ein Verwaltungskonto kann nur über ein einziges anderes Verwaltungskonto direkt verwaltet werden" (Google Ads-Hilfe: Konten mit Ihrem Verwaltungskonto verknüpfen). Das ist eine Regel zur Hierarchietiefe – ein Verwaltungskonto hat maximal ein direkt übergeordnetes Verwaltungskonto –, keine Aussage darüber, dass Partneragenturen sich grundsätzlich nicht gegenseitig Zugriff einräumen könnten. Beide Aussagen sollten nicht vermischt werden.
Zur Einordnung ergänzt dieselbe Google-Ads-Hilfeseite konkrete Zahlen: Ein einzelnes Google Ads-Konto kann direkt von bis zu fünf Verwaltungskonten verwaltet werden, und das Kundencenter darf maximal sechs Ebenen haben. Zusätzlich gilt eine Richtungsregel: Ein übergeordnetes Verwaltungskonto kann Änderungen an einem untergeordneten vornehmen, umgekehrt nicht – relevant, wenn ein White-Label-Anbieter über ein eigenes Verwaltungskonto an das Konto der Agentur andockt.
Google-Partner-Status in einer Reseller-Struktur
Mehrere Anbieterseiten zeigen ein Google-Partner-Badge, ohne die dahinterliegenden Schwellen zu nennen. Google selbst definiert sie über drei Kategorien, täglich geprüft: Performance, Ausgaben und Zertifizierungen (Google Ads-Hilfe: Google Partner oder Premium-Partner werden). Die Performance-Anforderung ist ein Optimierungsfaktor von mindestens 70 % im registrierten Verwaltungskonto (gleiche Quelle: Google Partner oder Premium-Partner werden). Die Ausgaben-Anforderung lautet: „In dem Google Ads-Verwaltungskonto, das Sie bei Google Partners registriert haben, müssen für Ihre verwalteten Konten in einem Zeitraum von 90 Tagen auch weiterhin Werbeausgaben von mindestens 10.000 $ vorhanden sein" (Google Ads-Hilfe: Google Partner oder Premium-Partner werden). Diese Schwelle nennt Google – auch auf der deutschsprachigen Hilfeseite ausdrücklich in US-Dollar, nicht in Euro. Die Zertifizierungs-Anforderung verlangt, dass mindestens 50 % der zugewiesenen Account Strategists für Google Ads zertifiziert sind (Obergrenze 100 Nutzer), zusätzlich eine eigene Zertifizierung in jedem Produktbereich mit mindestens 500 $ Kampagnenausgaben in 90 Tagen (gleiche Quelle). Premium-Partner-Status verlangt zusätzlich, „zu den besten 3 % der teilnehmenden Unternehmen im jeweiligen Land" zu gehören, jährlich neu bestimmt (gleiche Quelle). Ein Anbieter-Badge sagt also etwas über das Verwaltungskonto insgesamt aus, nicht automatisch über die konkrete Person, die eine einzelne Kampagne betreut.
| Anforderung | Schwelle | Quelle |
|---|---|---|
| Performance | Optimierungsfaktor ≥ 70 %, täglich geprüft | Google Ads-Hilfe |
| Ausgaben | mind. 10.000 $ Werbeausgaben je 90 Tage im verwalteten Konto | Google Ads-Hilfe |
| Zertifizierung | mind. 50 % der Account Strategists zertifiziert (Obergrenze 100 Nutzer), plus je Produktbereich ab 500 $ Ausgaben in 90 Tagen | Google Ads-Hilfe |
| Premium-Partner (zusätzlich) | Top 3 % der teilnehmenden Unternehmen im jeweiligen Land, jährlich neu bestimmt | Google Ads-Hilfe |
Was passiert, wenn die Partnerschaft endet?
Dies ist die größte dokumentierte Lücke im Markt: Von 18 geprüften Anbieterseiten adressieren nur zwei das Vertragsende überhaupt, keine vollständig. DashClicks beschreibt nur den Abrechnungszeitraum: „We will continue working on the account until the end of the current billing cycle" – ohne Übergabe-Unterstützung darüber hinaus (DashClicks). ALM Corp gibt als einziger Anbieter im untersuchten Feld konkrete Empfehlungen an Agenturen: volles Eigentum an allen Kundenkonten zu behalten, damit die Konten bei einem Wechsel mitgenommen werden können, keine Langzeitverträge ohne Exit-Klauseln zu unterschreiben, und eine schriftliche statt mündliche Vereinbarung darüber, dass der White-Label-Partner Kunden nicht direkt kontaktiert oder sich als eigenständiger Anbieter präsentiert (ALM Corp). Das sind Ratschläge an Agenturen, keine Google-Regel und kein Standard, den alle Anbieter einhalten.
Technisch bleibt die Agentur ohnehin nicht ausgeliefert: Das Kundenkonto „behält jederzeit die eigenen Daten und kann die Inhaberschaft per Entkoppeln selbst entziehen" (Google Ads-Hilfe: Inhaberschaft von Kundenkonten) – unabhängig davon, was ein Vertrag sonst regelt. Wie sich diese Zahlen zu den Kosten einer direkt beauftragten Google-Ads-Betreuung verhalten, steht im Ratgeber zu Google-Ads-Agentur-Kosten; Kriterien zur Agenturwahl allgemein im Ratgeber zur Agenturwahl.
Datenschutz: die rechtliche Grundlage
Ein White-Label-Anbieter, der Kampagnendaten von Endkunden im Auftrag einer Agentur verarbeitet, ist datenschutzrechtlich in der Regel Auftragsverarbeiter. Art. 28 Abs. 1 DSGVO verlangt: „Erfolgt eine Verarbeitung im Auftrag eines Verantwortlichen, so arbeitet dieser nur mit Auftragsverarbeitern, die hinreichend Garantien dafür bieten, dass geeignete technische und organisatorische Maßnahmen so durchgeführt werden, dass die Verarbeitung im Einklang mit den Anforderungen dieser Verordnung erfolgt und den Schutz der Rechte der betroffenen Person gewährleistet" (Art. 28 Abs. 1 DSGVO, dejure.org). Ein Unterauftragsverarbeiter – etwa wenn der White-Label-Anbieter selbst Teile der Arbeit weiterreicht – braucht eine vorherige schriftliche Genehmigung: „Der Auftragsverarbeiter nimmt keinen weiteren Auftragsverarbeiter ohne vorherige gesonderte oder allgemeine schriftliche Genehmigung des Verantwortlichen in Anspruch" (Art. 28 Abs. 2 DSGVO, dejure.org). Der Verarbeitungsvertrag muss unter anderem festlegen, dass Daten nur auf dokumentierte Weisung verarbeitet werden (Art. 28 Abs. 3 lit. a DSGVO, dsgvo-gesetz.de), und dass nach Ende der Zusammenarbeit alle personenbezogenen Daten „nach Wahl des Verantwortlichen entweder löscht oder zurückgibt und die vorhandenen Kopien löscht" (Art. 28 Abs. 3 lit. g DSGVO, dsgvo-gesetz.de) – sofern keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht entgegensteht. Der Vertrag selbst muss schriftlich vorliegen, auch in elektronischer Form (Art. 28 Abs. 9 DSGVO, dejure.org). Das ist die gesetzliche Grundlage dessen, was der Markt „AVV" nennt – reine Rechtsinformation, kein Hinweis darauf, wie ein bestimmter Anbieter diese Pflicht konkret umsetzt.
Wie wir mit Partneragenturen arbeiten
Digital Marketing Remote ist ein kleines, gründergeführtes Remote-Team. Wir übernehmen für Google Ads und Meta Ads: Strategie, Kampagnen-Aufbau, laufendes Management, Tracking- und Analytics-Setup sowie das komplette Reporting. Unsere öffentliche Preisliste ist zugleich unsere Partner-Preisliste – der Aufschlag beim Weiterverkauf ist die eigene Marge der Partneragentur, individuell kalkuliert. Individuelle Sonderpakete bieten wir nicht an; bei größeren Portfolios mit mehreren aktiven Konten sprechen wir über Konditionen. Die Zusammenarbeit ist monatlich kündbar, ohne starre Mindestlaufzeit. Reports werden neutral und ohne unser Branding geliefert. Die Google-Ads- und Meta-Ads-Konten gehören der Partneragentur oder ihrem Kunden – wir arbeiten ausschließlich über Zugriffsrechte, nie über Kontoeigentum. Pläne starten ab 349 €/Monat. Details zum Leistungsumfang stehen auf der Seite zur Google-Ads-Betreuung, die Partner-Konditionen im Überblick auf der Partnerseite; für ein unverbindliches Gespräch steht unser Kontaktformular bereit.
Häufige Fragen
Gehört mir das Google-Ads-Konto meines Kunden automatisch, wenn ich es nur mit einem Verwaltungskonto verknüpfe? Nein. Laut Google liegt die Inhaberschaft bei einer Verknüpfung standardmäßig nicht beim Verwaltungskonto. Nur wenn das Verwaltungskonto das Konto selbst neu anlegt, wird es automatisch Inhaber.
Stimmt die oft genannte Marge von 40–60 Prozent im White-Label-Geschäft? Diese Zahl kursiert breit, aber eine gezielte Prüfung mehrerer Quellen, die sie nennen, fand keine einzige mit einer nachvollziehbaren Methodik dahinter. Behandeln Sie sie als unbelegte Branchenaussage, nicht als verlässliche Kalkulationsgrundlage.
Darf ein White-Label-Partner einem anderen Partner Zugriff auf ein Verwaltungskonto geben? Googles eigener Wortlaut beschreibt eine Hierarchietiefe-Regel: Ein Verwaltungskonto kann nur direkt von einem einzigen anderen Verwaltungskonto verwaltet werden. Das ist etwas anderes als die vereinfachte Aussage einiger Anbieter, Google verbiete Partnern generell, sich gegenseitig Zugriff zu geben.
Gelten die 10.000-Dollar-Schwellen für den Google-Partner-Status auch für deutsche Agenturen? Ja, und in Dollar, nicht in Euro – Google nennt diesen Betrag ausdrücklich auch auf der deutschsprachigen Hilfeseite in US-Dollar.
Was passiert mit den Kundendaten, wenn die White-Label-Partnerschaft endet? Rechtlich muss der Auftragsverarbeiter nach Art. 28 Abs. 3 lit. g DSGVO die Daten nach Wahl des Verantwortlichen löschen oder zurückgeben. Technisch kann das Kundenkonto zusätzlich jederzeit selbst entkoppelt werden, unabhängig vom Vertragsstand.
Alle Zahlen und Zitate wurden am 07.08.2026 auf den jeweiligen Quellseiten erhoben und können sich seither geändert haben. Anbieterseiten sind entsprechend als Eigenaussage gekennzeichnet. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.